22.04.2026
Attribution Modelling
Für einen Retailer mit traditionell starkem Katalog- und Mailing-Geschäft haben wir über mehrere Jahre das Attributionsmodell mitwachsen lassen. Es begann als Modell, das Print erklärte und Digital in die Wirkung einband. Heute ist es im Kern eine digitale Attribution, die die Printkomponente weiterhin sauber abbildet.
22.04.2026
Kontext

Attribution klärt die Frage, welcher Kanal oder welcher Touchpoint welchen Anteil an einem Kauf hat. Für einen Retailer, dessen Geschäft traditionell vom Print getragen wird, war das jahrelang eine Frage, die sich wenig stellte. Der Katalog produzierte Bestellungen, die Mailings reaktivierten, die Beilagen erreichten Zielgruppen im Haushalt. Digital war ergänzend, ein Kanal unter vielen, budgetseitig überschaubar.

Mit der Zeit kippte das Verhältnis. Digitale Kanäle wurden zum wachsenden Bestandteil der Kundeninteraktionen. Google-Suche, Performance-Kanäle, Newsletter. Nicht mehr nur als Abschlusskanal, sondern als eigenständiger Treiber. Die Frage, die damit aufkam, war intern zunächst eine Rechtfertigungsfrage. Wie weist man nach, dass die neuen digitalen Investitionen wirken, wenn die dominanten Werbeimpulse noch aus dem Print kommen und sich Print- und Digital-Touchpoints auf denselben Kunden überlagern.

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22.04.2026
Aufgabe

Ein Attributionsmodell, das beide Welten gleichzeitig abbildet und mit dem sich wandelnden Marketing-Mix über die Jahre mitwachsen kann. Der Ausgangspunkt war ein Modell, das die Wirkung von Print quantifiziert und zeigt, wie sich digitale Touchpoints in die Printanstoßketten einfügen. Print war in dieser Phase der Hauptträger, Digital das neue Element, dessen Beitrag messbar werden musste.

Später, als Digital den grösseren Anteil des Mix übernahm, musste das Modell umgebaut werden. Die digitalen Kanäle brauchten eine feinere Auflösung, weil ihre Komplexität und ihr Budget-Anteil gewachsen waren. Die Print-Module blieben, traten aber in den Hintergrund, ohne aus dem Modell zu verschwinden. Wichtig war, dass Print in der Attribution erhalten bleibt, auch wenn es nicht mehr der dominante Kanal ist. Sonst verliert man die Information darüber, wie viel des scheinbar digitalen Abschlusses tatsächlich durch einen Katalog ausgelöst wurde, der vier Tage vorher im Briefkasten lag.

22.04.2026
22.04.2026
Lösung

Die technische Basis ist eine gemeinsame Kundenidentität, die digitale Sessions mit Bestellhistorie und Printaussendungen verknüpft. Über Login-Flows, E-Mail-Matching und Hash-basierte Identity Resolution werden digitale Interaktionen auf Kundenebene zurückgeführt. Daraus entsteht eine Zeitleiste pro Kunde, auf der Print-Zustellungen, digitale Besuche, Newsletter-Interaktionen und Käufe gemeinsam erscheinen.

In der ersten Ausbaustufe lag der Fokus darauf, die Wirkung von Print sauber zu quantifizieren und die aufkommenden digitalen Kanäle in diese Logik einzubinden. Kontrollgruppen aus vergleichbaren Kundensegmenten, die zu bestimmten Zeitpunkten keinen Katalog erhalten haben, machten den Print-Uplift messbar. Die Differenz in Direct-Visits, Brand-Searches und Käufen in den Tagen und Wochen nach der Zustellung zeigte, wie stark der Print-Anstoss wirkt. Digitale Touchpoints wurden in dieser Phase mit einfacheren Gewichtungsmodellen behandelt, weil ihre Komplexität und ihr Anteil noch überschaubar waren.

Mit dem Wandel des Mix hin zu Digital wurde die digitale Seite deutlich feiner modelliert. Data-driven Attribution auf Basis des vollständigen Touchpoint-Verlaufs, Server-Side-Tracking und Conversion-APIs für belastbare Signale trotz Cookie-Restriktionen, algorithmische Gewichtung der digitalen Pfade. Die Print-Komponente blieb als eigenständiges Modul im Modell, gespeist aus den weiterhin laufenden Uplift-Messungen. Das heisst: auch wenn Print heute weniger Volumen beisteuert, fliesst seine Wirkung sauber in die Attribution ein und wird nicht in einem Direct- oder Brand-Topf verschluckt.

Technisch liegt das Ganze auf einer zentralen Datenplattform mit ETL-Strecken aus dem Shopsystem, dem Warehouse, dem Newsletter-Tool und der Print-Versand-Datenbank. Orchestrierung über dbt, Modelling in Python, Ausspielung in Looker und Rückfluss in die Kampagnensteuerung der Performance-Kanäle.

22 Apr 2026
22.04.2026
Ergebnis

Die erste Wirkung war strukturell. Die Diskussion "Print oder Digital" hatte ab einem bestimmten Zeitpunkt eine gemeinsame Datenbasis. Digitale Investitionen konnten mit ihrer messbaren Wirkung belegt werden, Print blieb als nachweislich wirksamer Treiber sichtbar, auch als sein relativer Anteil im Mix abnahm. Budget-Entscheidungen wurden aus einem gemeinsamen Modell abgeleitet statt aus separaten Dashboards, die unterschiedliche Geschichten erzählten.

Die wichtigere Erkenntnis über mehrere Jahre ist struktureller Natur. Attribution ist kein statisches Artefakt. Sie muss sich mit dem Marketing-Mix mitentwickeln. Ein Modell, das zum Zeitpunkt des Aufbaus passt, wird nach zwei oder drei Jahren im gewandelten Kanal-Portfolio ungenau, wenn es nicht mitwächst. Das Attributionsmodell dieses Retailers hat mehrere Ausbaustufen durchlaufen, weil sich der Mix mehrfach verschoben hat. Heute ist es im Kern eine digitale Attribution und bleibt doch eines mit vollständiger Print-Integration. Daneben steht ein Marketing Mix Model für die Kanäle, die Attribution nicht erreicht, und gezielte Experimente zur Validierung einzelner Hypothesen. Die drei Perspektiven zusammen ergeben ein Bild, das belastbarer ist als jede einzelne Methode für sich.

22.04.2026